"Unser Problem ist nicht, Öl für maßvollen Wohlstand einzusetzen. Unser Problem ist, Öl für unbegrenzten Überfluss zu vergeuden." Heutiger Kommentar von Klaus Bergmann, Geschäftsführer

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HEIZÖL: Die Spekulanten sind zurück

Nun ist eine Untertreibung zu erwarten.


Wenn man Pech hat, kommt auch noch Unglück hinzu. Das dürfte das Gefühl beschreiben, das die OPEC-Lenker beim täglichen Blick auf die Ölpreise überkommt. Erst wurden sie jäh aus der besten Phase ihres Lebens gerissen, weil spekulative Übertreibungen die weltweite Finanzarchitektur ins Wanken brachten. Dann sahen sie sich mit einem ganz realen Abwärtstrend der globalen Wirtschaft konfrontiert, der auf die Verkaufsmengen drückt. Und nun kommen die zuvor in die Flucht geschlagenen Spekulanten auch noch zurück, um zu testen, wie tief die einst erbaulichen Preise gedrückt werden können. Sie sind aggressiv bärisch eingestellt.

Wenn es ganz dumm läuft, werden in Kürze die eigenen Völker gegen sie, die Bewahrer und Lenker ihrer Systeme aufbegehren, weil die Wohltaten, die sie in den letzten Jahren ausschütteten, nicht mehr bezahlbar sind. Im Iran ist das beispielsweise subventioniertes Benzin und ein Atomprogramm, das der Nation Stolz und Stärke geben sollte. In Venezuela sind das Sozialprogramme. Die mögen durchaus positiv sein. Auf jeden Fall sind sie die Grundlage zur Stabilisierung der Macht des Präsidenten. Bevor die hohen Ölpreise diesem Hugo Chavez seine Sozialpolitik erlaubten, sah er sich der heftigen Gegenwehr einer breiten Opposition ausgesetzt. Zum Machterhalt trug zuletzt auch sein Ruf als spendabler Sozialist in ganz Lateinamerika bei. Die Spendierhosen sind nun leer. Mit ähnlichen Problemen ist Saudi Arabien konfrontiert. Es zählt zu den Ländern mit einer am schnellsten wachsenden Bevölkerung. Rasantes Bevölkerungswachstum verlangt, wenn es stabil verlaufen soll, eine ausgeklügelte Sozialpolitik. Und die kostet genau wie in Venezuela viel Geld. In all den Ländern stammen die Erlöse zum überwiegenden Teil aus den Ölverkäufen. Wenn die Erlöse ausbleiben, werden die Staaten zunächst in die Schuldenfalle und dann in die Abhängigkeit fremder Mächte getrieben. Diese Abhängigkeit wird der Befriedung und Stabilisierung der Welt nicht zuträglich sein.

Die Finanzwelt hat Schiffbruch erlitten. Nun muss sie gerettet werden. Ihre Rettung soll sie mit Regulierung bezahlen. Am Ende wird sich gleichwohl und abermals die Frage stellen, wer eigentlich wen steuert. Der folgende, nicht aus unserer Feder stammende Text beschreibt die Situation auf lyrische Weise:

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Den Autor dieses zeitgemäßen Texts wollen wir nicht vorenthalten. Seinen Namen geben wir aber erst morgen Preis. So lange darf geraten werden, wann das Gedicht entstanden ist.

Schon heute, wen wundert es, geben wir die aktuellen Kurse und Trendmeldungen preis. Die Tonne Gasöl kostet 564 Dollar. Das Barrel Rohöl kostet in New York 55,48 Dollar. Der Abwärtstrend steht wie eine Eins.

Unsere Heizölpreise folgen dem Weltmarkttrend. Sie fallen. Aber auch im Binnenmarkt entwickelt sich die preisliche Situation positiv. Die relative Preisüberhöhung gegenüber den internationalen Preisen und die starke Nord-Süd-Differenz sind gesunken. Mittlerweile beträgt der rechnerische Aufschlag bundesweit rund sechs Prozent. Das ist angesichts der weiterhin hohen Nachfrage und der begrenzten Versorgung über die von niedrigen Pegelständen betroffenen Wasserstraßen erklärbar. Der Heizölpreis ist attraktiv. Wir rechnen damit, dass er noch weiter nachgeben wird. Auf lange Sicht wird Heizöl aber teurer werden. Energiesparen bleibt das Thema der Zukunft. Schauen Sie sich dazu auch unser Logbuch für den Heizölverbrauch an.

von Klaus Bergmann
18.11.08 Drucken

 

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Alle Kommentare:

Dorfkramer schrieb am Donnerstag, 20. November 2008 - 08:19 Uhr Selten so einen Unsinn gelesen wie dieses Gedicht.
Sollen die Heizölpreise reguliert und die Heizöllieferungen rationiert werden?
Diese Plattform lebt doch einzig und allein davon, dass es marktgerechte Preisfeststellungen gibt.
Oder sehnen sich die macher dieser Plattform vielleicht nach einem Job in einer Heizölrationierungsbehörde?
Warum nicht, angesichts der Tatsache, dass man dort viel monatlich sichere Kohle einsacken würde.

misterdata schrieb am Mittwoch, 19. November 2008 - 06:15 Uhr Nur zur Klarstellung an einige Vorredner hier, die meinen, Tucholsky hätte keine Leerverkäufe kennen können:

zum Schwarzen Freitag am 25.10.1929 trugen ganz wesentlich die damals sehr populären Leerverkäufe an der damaligen New Yorker Börse bei!

Das wusste damals jeder Zeitungsleser.

Lutz schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 19:30 Uhr Verfasser des Gedichts ist ein Richard Kerschhofer, der diese Zeilen 2008 schrieb.
Tucholsky dürften Leerverkäufe und Derivate ja auch eigentlich unbekannt gewesen sein.

chris schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 18:27 Uhr Aber bitte sagen Sie nicht, dass Gedicht stammt von Kurt Tucholsky. Das ist nämlich falsch. Von Leerverkäufen und Derivaten hat der noch nichts gewusst:
http://www.oberhessische-zeitung.de/sixcms/detail...=boulevard

Aber das Gedicht bringt es exakt auf den Punkt, wohin ungehämmte Marktkräfte die Welt führen. Soziale Marktwirtschaft erfordert halt Regulierung, die in den letzten Jahren unter Begriffen wie Globalisierung und Liberalisierung immermehr zurückgedrängt wurde. Die totale Marktwirtschaft im Sinne eines David Friedman führt eben dazu, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Und der Staat degradiert sich zum Handlanger der Reichen. Das sehen wir ja schon jetzt in unserem Land, obwohl wir von David Friedmans Ideen noch sehr, sehr weit weg sind.

Gerd schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 16:34 Uhr Wie war das noch mit Peak-Oil? Da kann man doch nur noch den Kopf schütteln. Die Schuldigen dieser Preistreiberei der vergangenen Monate sind jetzt wohl klar. Und die dürfen munter weiter machen, damit der Staat mit Steuergeldern wieder regulieren kann? Wie beklo..t ist diese Welt !!!!!!!!!!!!!!!!

PS: Wenn unser raffgieriger Staat mir von meinem Gehalt mehr übrig lassen würde, könnte ich mir auch einen neuen Opel kaufen. Die Superverdiener kaufen mit Sicherheit andere Marken. Also wer ausser dem kleinen Mann soll noch einen Opel kaufen?

W. Lüer schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 16:21 Uhr Der Wiener Autor Richard G. Kerschhofer schrieb m. E. dieses Gedicht.

Wolfgang Lüer schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 16:19 Uhr Der Wiener Autor Richard G. Kerschhofer schrieb m. E. dieses Gedicht.

W. Irnich schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 15:52 Uhr Bevor Sie zur weiteren Verbreitunng beitragen - nein, das Gedicht stammt definitiv nicht von Tucholsky. Schauen Sie ins Wekverzeichnis! Und 1929/30 gab es auch weder Derivate noch Leerverkäufe...

h.r. schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 15:34 Uhr Tipp ich mal auf : R.G.K.
Pseudonym : : P.

Bin ich ja mal gespannt, was der Herr Bergmann von Esyoil morgen bekannt gibt.

Viele Grüße
H.R.

Rudi Schmid schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 15:04 Uhr geschrieben v. Richard G. Kerschhofer

Er schreibt des öfteren für die rechts angesiedelte Zeitschrift "Zeitbühne"

Edgar Leifheit schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 14:30 Uhr Für den Fall dass Sie Kurt Tucholsky als Autor für o.g. Gedicht nennen wollen, empfehle ich, vorab, folgenden Link der Stuttgarter Zeitung zu konsultieren: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/185968...quot-.html
Herrn Erckert ist recht zu geben.
Mit freundlichem Gruß

Radler schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 13:24 Uhr vor fast 4 Monaten geschrieben und aktueller
denn je.
Kurt Tucholsky kann es nicht gewesen sein,
der kannte noch keine Derivate. Mein erstes
Posting mit der Lösung ? wird dann wohl -wenn
überhaupt- erst morgen veröffentlicht.

Andreas Kube schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 13:11 Uhr Ich bins nochmal. Ich habe nachgedacht und glaube : Oskar Lafontaine.

Ich wett ein Six Pack Becks Gold rauf (mein Lieblingsbier), sowas ist sein Stil : werktätige Massen die sich erheben gegen die Herrschaft des Kapitals. Allerdings ohne Antworten und Lösungen bieten zu können.

Haunerdinger schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 12:33 Uhr Hallo Hr. Bergmann,

schreiben sie lieber nicht, daß es von Tucholski ist. Das Gerücht läuft seit Wochen durch das Netz. Fündig wird man in Österreich im eher rechten Lager...

mfg
Haunerdinger

Harald Kistner schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 12:32 Uhr Hallo,
das Gedicht geistert seit kurzer Zeit durchs Internet. Angeblich stammt es von Kurt Tucholsky (1930), ist aber von September 2008 und aus der Feder des Österreichers Richard Kerschhofer entsprungen.
mfg
Harald Kistner

B.v.d.Grün schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 12:04 Uhr Es ist nicht von Kurt Tucholsky wie fälschlicherweise verbreitet, sondern vom Österreicher Richard Kerschhofer. Dieser hatte das Gedicht Ende September in dem konservativen Wochenmagazin „Preußische Allgemeine Zeitung“ sowie auf der Homepage der FPÖ-nahen „Genius-Gesellschaft“ publiziert.
Wenn die Ölpreise dauerhaft zu tief fallen, lernen wir es wieder nicht, mit den Ressourcen sparsamer umzugehen

Matthias Erckert schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 11:37 Uhr Ich hoffe das Sie bis morgen gut recherchieren und nicht auch noch behaupten das dieses Gedicht von Kurt Tucholsky im Jahre 1930 geschrieben wurde.
Der schrieb lieber Dinge wie dieses:
"…merkt ihr nicht, was mit euch gespielt wird? / mit wessen Schweiß der Gewinn erzielt wird? / Komme, was da kommen mag. / Es kommt der Tag, / da ruft der Arbeitspionier: / Ihr nicht. / Aber Wir. Wir. Wir."

Pontikes schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 11:33 Uhr Vor fast 80 Jahren geschrieben und aktueller denn je. Die Zeilen stammen von Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1930.

andreas kube schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 11:23 Uhr Das Gedicht ist mühsam in Ferse gequetschte SED Prosa, also reiner Marxismus Leninismus.

Insbesondere wo der Autor freie und demokratisch gewählte Parlamente, als Kulisse des Kapitals beschreibt und in der Folge den (imperialistischen) Krieg, wird die Sache ideologisch eindeutig.

Tatsache ist vielmehr : Eine freie und soziale Marktwirtschaft, bringt tatsächlich “Wohlstand für Alle” (so wie Ludwig Ehrhard sich das auch gedacht hat) und der Beweis dafür ist unser heutiger relativer Wohlstand.

Die Regelungen die wir heute brauchen um Märkte vernünftig zu regulieren ( regulieren meint aber nicht strangulieren !) sind allerdings so komplex und vielschichtig, dass man das nicht mehr auf Stammtischniveau diskutieren kann. Rechte oder pseudolinke Populisten (die Leute haben doch lediglich kranken Staatkapitalismus im Kopf) leisten da meines Erachtens überhaupt keine sinvollen Beiträge zur Sache.

Radler schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 10:56 Uhr Ja, das Gedicht macht überall die Runde.
Von Kurt Tucholsky ist es jedenfalls nicht.
Der kannte noch keine Derivate.
Medien sprechen von einem Verfasser mit dem
Namen Richard Kerschhofer .

Wahrheit steckt natürlich drin´in diesem
Gedicht. Bleibt zu hoffen, das diese
Finanzmärkte besser reguliert werden und
das Geldvermehren ohne eine Wirtschaftsleistung eingedämmt wird.
Die Hoffnung stirbt zuletzt..............

Reinhold Becker schrieb am Dienstag, 18. November 2008 - 10:31 Uhr Super Gedicht, bringt es auf lyrische Weise auf den Punkt! Sollte weiter verbreitet werden. Könnte von Heiner Geisler stammen.
Viele Grüße und in der Hoffnung auf weiter sinkende Ölpreise.

 
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